Dahme, wie es leibt und lebt - Ferienhaus Mika - Ostseeurlaub in Dahme für die ganze Familie - auch mit Hund

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Dahme, wie es leibt und lebt

Dahme, wie es leibt und lebt


»Durch seine begünstigte Lage, besonders durch den meilenweiten, weißen, fast steinfreien Badestrand und kräftigen 'Wellenschlag hat Dahme den Charakter eines Nordseebades, verbunden mit der Milde des Ostseeklimas.« (Prospekt des Jahres 1933)


Dahme damals

Nicht nur Menschen verändern sich. Auch Orte sind Lebewesen, die einer ständigen Wandlung unterworfen sind. Sie haben heute ein anderes Gesicht als vor - sagen wir - 40 Jahren und werden im Jahr 2022 recht verschieden von dem sein, was sie 1992 darstellten. So wird es selbst für den, der Dahme kennt, schwierig, ja unmöglich sein, sich das Bild des Ostseebades aus den Jahren, als die ersten Gäste hierher kamen, deutlich vor Augen zu zaubern. Es muß - alles in allem genommen - ein recht bescheidenes Bild gewesen sein. Viele reetbedachte Katen, eine holprige, manchmal auch morastige Dorfstraße, ein Strand ganz oder beinahe ohne Bauten, ohne Promenade und auch ohne Strandkörbe. Allerdings mit einer stattlichen Zahl von Fischerbooten. In den nicht sehr zahlreichen Häusern natürlich kein elektrisches Licht, kein fließendes Wasser, kein WC und weder Rundfunk noch Fernsehen. Niedrige Räume mit engen Fenstern. Nach den Maßstäben von heute: eine armselig-primitive Welt!

Aber ehe wir den Weg zurückgehen bis zu den Anfängen eines wahrhaft urwüchsigen Badeledes Jahres 1881 (und den noch bescheideneren Ansätzen der Jahrzehnte zuvor...), wollen wir das Dahme von heute durchstreifen und beschauen, was aus so kärglichen Anfängen geworden ist. Gewiß weit mehr und erheblich Größeres, als selbst der kühnste und phantasievollste Dahmer Bürger sich Anno 1881 in seinen zukunftsfrohen Träumen hätte vorstellen können. Die Wirklichkeit von heute übertrifft selbst die Illusionen von einst erheblich!



Dahme nostalgisch — eine Reetdachkate, wie sie einst der Ort zahlreich besaß (diese wurde leider 1958 abgerissen).


Dahme heute

Unser Dahme ist eine selbständige Gemeinde mit 1150 Einwohnern. Zu ihnen kommen Jahr für Jahr - mal mehr, mal weniger - weit über 60000 Badegäste, die sich mehrere Tage oder Wochen hier aufhalten. Dadurch ergibt sich, daß in dem immer noch nicht gar so großen Dorf alljährlich mehr als 800 000 Übernachtungen stattfinden - die Gäste mit Zelt oder Wohnwagen gar nicht gerechnet. Mit solchen Zahlen ist Dahme das achtgrößte Ostseebad an der 383 km langen schleswigKüste. Größer sind u.a. Grömitz, Timmendorfer Strand, Travemünde, Haffkrug-Scharbeutz und Heiligenhafen. Kleiner sind einige Dutzend andere Badeorte zwischen Lübeck und Flensburg. Dahme hat dabei eine Besonderheit, die man wohl erwähnen sollte: Kaum irgendwo anders bleiben die Gäste so lange wie hier. Vermutlich, weil man sich besonders wohl fühlt. Dahme kann sich also in der Vielzahl der Ostseebäder durchaus sehen lassen.


Der Weg hierher

Nach Dahme führen mehrere Wege, und sie haben sich im Verlauf der vielen Jahre - wie wir noch sehen werden - erheblich geändert. Heute kommen die meisten Gäste über die B 501, auch Bäderstraße genannt, nachdem sie entweder bis Neustadt (in Holstein, versteht sich) mit dem Zug oder bis zur Ausfahrt Neustadt-Nord auf der Autobahn A i gefahren sind. Diese B 501 (für Bahnreisende ab Neustadt mit dem Bus) führt durch Grömitz und an Kellenhusen vorbei. Wenn sie sich bei den paar Häusern von Gruberhagen nach Norden (über Grube) wendet, biegen die Dahme-Fahrer rechts ab und erreichen in wenigen Minuten ihr Ziel, wobei sie zwischen zwei Zufahrten in den Ort die Wahl haben.

Wer sich auskennt, kann auch schon andere Zufahrtswege benützen. Zwei von der Autobahn-Ausfahrt Lensahn aus: einmal über Grube und von da über einen früheren Feldweg und eine inzwischen ausgebaute Teerstraße, ein andermal über Cismar, wo der Anschluß an die B 501 erfolgt. Schließlich mit einem Abstecher von der B 501 nach Kellenhusen und hier nordöstlich nach Dahme. Charterflüge nach Dahrne gibt es nicht. Wohl aber für Besitzer eines privaten Flugzeugs die Landebahn des Gruber Sportflugplatzes, wenige Kilometer von Dahme entfernt. Nächste Häfen für Jachteigner sind Neustadt und Grömitz. Dahmes Seebrücke ist nur für ein kurzes Anlegen gedacht.


In Dahme wohnen

Das Dahme von heute mit seinen teilweise modernen Neubauten läßt beinahe vergessen, daß urige Fischerhäuser und kleine, anspruchslose Logierhäuser am Anfang der Beherbergung standen. Reetdach war so gut wie selbstverständlich. Heute beherrschen neuzeitliche Häuser und die Wohnblöcke von Haus "Berolina" und "Strandhotel" erhebliche Teile des Ortsbildes. Zimmer mit Dusche oder Bad und WC sind weithin vorhanden. Aber es gibt auch sie noch immer - wer wollte sie missen?! - die behaglichen Altbauten traditioneller Pensionen, in denen geringerer Komfort durch Herzlichkeit mehr als ausgeglichen wird. Nicht zu vergessen die ansehnliche Liste privater Vermieter mit eleganten und einfachen Zimmern, mit Unterkunft in der Villa oder auf einem bäuerlichen Hof. In Dahme kann jeder Gast wohnen, wie er mag und - wie es seine Urlaubskasse erlaubt.

Eine eigene und gewichtige Rolle spielt für Dahme das im Norden jenseits der Schleuse anschließende Camping-, Caravan- und Ferienhausgebiet von ZEDANO. Kein exotisches Modewort, sondern die Abkürzung für: Zeltstrand Dahme Nord. Vor zwanzig Jahren stimmte der Name noch: inzwischen gerieten die Zelte gegenüber den Caravans in die Minderheit. Wo sie noch stehen, haben sie - hygienischen und dünenschützerischen Argumenten der Obrigkeit Folge leistend - den Strand selbst verlassen müssen und sich, mit Wasserleitung und Kanalisation angereichert, ins Hinterland zurückgezogen. Überhaupt kann (und muß) der Gast sich entscheiden, ob er das Urlaubsdach in unmittelbarer Nähe der Ostsee, nahe bei Strand und Deich und vielleicht sogar mit dem immer wieder begeisternden Blick vom Zimmer aufs Meer, bevorzugt oder ob er sich ins geschütztere, vielleicht waldnahe oder bäuerliche Hinterland des Ortes begibt.







Dahmes Herz: der Strand

Wo der Gast aber auch wohnen mag - das Herz Dahmes schlägt am Strand. Dieser Strand gab nicht nur den Anstoß und die Berechtigung, ein Seebad zu werden, sondern er bildet heute wie eh und je in den letzten hundert Jahren seinen Mittelpunkt und sein Kapital. Es ist ohne jeden Zweifel ein Strand, der zu den schönsten in Schleswig-Holstein gehört: feinsandig, breit, so gut wie steinfrei, ausgedehnt und in seinem Kernstück zugleich von einer über 2 km langen Promenade begleitet. Sie macht den Strand zur festen Nord-Süd-Achse der Dahmer Ferienwelt. An ihr liegt alles, was der Urlauber braucht und sucht. Beginnend mit Kurverwaltung und Büro des Kurdirektors, mit den Einrichtungen im "Haus des Kurgastes" über das Kurmittelhaus bis hin zum Meerwasser-Freibad, zu Tennis- und Sportplätzen und allen öffentlichen Einrichtungen, die den Gast verwöhnen. Zu ihnen tritt eine erste Auswahl von Dahmes kulinarischen Angeboten einfacher oder auch gehobener Art für Hauptmahlzeiten oder Kaffeestunden, die selbstverständlich jenseits des Deiches im Dorf sich fortsetzt und erweitert.


Schließlich eine von Jahr zu Jahr wachsende Zahl der Geschäfte, die kaum einen Lebensbereich auslassen, so daß es schwer wird, etwas zu entdecken, was man an der Strandpromenade eigentlich nicht einkaufen kann. Die Skala der Angebote umfaßt Bücher und Mode, Schmuck und Fotoartikel, Kunstgewerbe und Süßigkeiten, Ansichtskarten und Sportgeräte, Hautkrem und Spielzeug. Zwischen Läden und Gaststätten die schmucken Mini-Palazzi der Strandkorb-Vermieter, die dem Gast seinen Strandwigwam in gewünschter Lage und Qualität beschaffen. Das ist beileibe noch nicht alles, was die Strandpromenade den Dahmer Gasten zu bieten weiß. Dahmes Strand, alles in allem 6,5 km lang, endet nicht mit der Promenade, sondern setzt sich nach Norden wie nach Süden fort. Südlich wird aus dem flachen Dünenstrand eine Steilküste, die zum Leuchtturm Dahmeshöved führt und seit jeher Hauptangriffspunkt der See ist. Nur mühsam können die auf dem Steilufer gelegenen Grundstücke vor Abtragung bewahrt werden. Nach Norden setzt sich auch jenseits der Schleuse der Badestrand fort, der hier zum Gebiet von ZEDANO gehört: zunächst für Gäste in üblicher Badekleidung, danach in etwa i km Länge für solche, die lieber nackt am Strand umherlaufen und baden: einer der ältesten FKK-Strande der Ostseeküste, wogegen noch nach dem Krieg eine "sittenstrenge" Kreisverwaltung mit antiquierten Verordnungen und echauffierten Polizisten vergeblich ankämpfte.


Zum Strand gehört neuerdings - nach über 35 Jahren ohne eine solche Einrichtung - wieder eine 205 m lange Seebrücke, an der Ausflugsschiffe, private Segelboote und eines Tages möglicherweise auch die Schiffe einer regelmäßigen Verbindung längs der Küste anlegen können. Am Strand selbst liegen außer wenig übriggebliebenen Booten der Fischer nördlich der Mole auch Segeljollen und Katamarane der Dahmer Sportbootfahrer und von Gästen.


Glanz auch ohne "Butt"

Ich kann es nicht lassen, mir insgeheim vorzustellen, was wohl Fischer Landschoof aus dem Dahme von 1881 sagen würde, wenn er "seinen" Strand von einst in heutigem Glanz und Ausmaß erleben könnte. Müßte es ihm nicht vorkommen wie dem Fischer in dem Märchen vom "Fischer und siner Fru", als er statt des "Pisspotts" seiner ursprünglichen Behausung das stolze Schloß erblickte, das ihm der dankbar-wohlwollende Butt hingezaubert hatte?! Gewiß würde er seinen Augen nicht trauen. Für die Lebenden freilich, die einen wesentlichen Teil des Dahme unserer Tage wachsen sahen, erscheint alles wohl ganz selbstverständlich, als müsse es so sein. Manchmal, fürchte ich, könnte es sogar diesem oder jenem Dahmer ebenso ergehen wie der unersättlichen Fischersfrau, daß ihn der offenkundige Fortschritt und Gewinn gar nicht mehr so recht befriedigte und er es am liebsten noch stattlicher, größer und natürlich auch lukrativer hätte. Aber vielleicht irre ich mich auch... Denn immerhin hat ja auch kein Dahmer einem Butt das Leben geschenkt, um damit solches Wachstum und Ansehen zu begründen. Bei Lichte besehen ist es nichts anderes als der Fortschritt, das wachsende Zivilisationsbedürfnis, die gestiegene Bedeutung von Reise und Freizeit, die aus dem eher etwas kläglichen Entlein des Jahres 1881 den stolzen schönen Schwan unserer Tage werden ließ. Sicher das Ergebnis von Wagemut und Arbeit, von Ideen und Zielstrebigkeit. Aber auch - und davon wird später noch einmal die Rede sein - die kaum vorauszuberechnende Gunst der Nachkriegsgeschichte, die von insgesamt 1800 km deutscher Ostseeküste nur jene 383 km in Schleswig-Holstein für bundesdeutsche Urlauber offenhielt und den alten plattdeutschen Spruch wahr werden ließ "Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall".



Sommerfrische der Jahrhundertwende, als Heinrich Thode Gasthof, Bäckerei und Konditorei zugleich betrieb


Anders herum gesagt: Dahme 1992 ist das Ergebnis von Tüchtigkeit, der das Glück zur Seite stand. So nimmt es gar nicht wunder, daß aus den weniger als 100 Häusern, die das alte Dahme ursprünglich bildeten, heute mehr als 500 geworden sind. Darunter Häuser, die als Urlaubsbleibe wochenweise vermietet werden und außerhalb des Sommers oft viele Monate leer stehen. Darunter außerdem die Ferienhäuser von Städtern, die in Dahme einen zweiten Wohnsitz errichtet haben - Wahl-Dahmer gegenüber den eingesessenen Dahmer Bürgern, nicht hier geboren, aber durch Zuneigung und freien Entschluß enger mit Dahme verbunden als die üblichen Sommergäste - eine ganz neue Spezies Mensch, an die vor hundert Jahren gewiß niemand gedacht hat.


Das Gesicht eines Dorfes

Wenn wir den Strand verlassen und über den Deich, der den Ort vor verhängnisvollen Sturmfluten (wie der des Jahres 1872) schützt, in die Dorfmitte gelangen, blättern wir gewissermaßen die steinerne Chronik einer bunten und wechselvollen Entwicklung auf. Das Nebeneinander von denkbar verschiedenartigen Bauten könnte aus einem Lehrbuch für Architekten stammen. In der Minderheit und nur noch vereinzelt zu entdecken, sind die Häuser, die vor einem Jahrhundert Dahmes Gesicht bestimmten: die Katen mit Fachwerk, Lehm- oder Ziegelsteinwänden und Reetdach, in denen Fischer und Kleinbauern hausten. Viele sind abgerissen, andere modernisiert. Denn ein Reetdach (Rohr aus der einst wasserreichen Umwelt) ist teuer, im Vergleich mit Ziegeln mühsam zu decken und - mit hohen Prämien bei der Feuerversicherung verbunden. Reetdach Ist, kurz gesagt, Luxus. So daß die Welt sich umgekehrt hat: ein Reetdach leisten sich gern die Städter für ihre Sommerhäuser, wahrend die Einheimischen froh sind, unter billigen Ziegeln oder Eternit zu leben. Davon abgesehen hatten die alten Reet-dachkaten niedrige Decken, kleine Räume, lichtschwache Fenster und wenig Komfort -dennoch oder deshalb waren sie gemütlich. Aber sie schwinden - nicht nur in Dahme -dahin. Wo sie noch stehen, sind sie als Fotomotiv beliebt.




Ein Blick in die Dorfstraße von einst beschauliche Stille ohne Autos und Teerstraßen


Als die Dahmer um die Jahrhundertwende und danach begannen, Häuser speziell für die Aufnahme von Gästen zu bauen, entstanden stattliche Bauten, wie man sie den Städten abgeguckt hatte. Jetzt waren Räume und Fenster hoch, die Fassaden imponierend, villenartig, und der Geltungsdrang der Gründerjahre und der Wilhelminischen Zeit bestimmte auch in Dahme die Bauweise. Diese Häuser -manchmal inzwischen modernisiert, abgewandelt, "getarnt" -stehen auch heute noch, nicht unbedingt gemütlich, aber solide Zeugnisse der "guten alten Zeit", die dank ihrer Weitläufigkeit den Einbau moderner Hygiene-Einrichtungen erleichtern. Sie können übrigens auch heute noch ablesen, bei welchen Häusern (Hotels, Pensionen, Fremdenheimen) aus dem vollen geschöpft wurde und wo man sparen mußte. Die Zeit zwischen den Kriegen und die ersten Jahrzehnte danach haben zur ersten ansehnlichen Ausdehnung des Ortsbildes geführt. Straßen und Häuser wuchsen nach draußen. Die Bauten dieser Epoche bescheiden sich gegenüber wilhelminischer Massenentfaltung: Man baut niedriger, sparsamer, enger, zweckmäßiger, auch uniformer. Siedlungshäuser und Gebäude des sozialen Wohnungsbaus ziehen sich zum Ortsrand hin. Selbst die in diesen Jahrzehnten entstandenen Pensionen wirken bieder und eher hausbacken als schwungvoll. Mit der quälend lange umstrittenen, in den siebziger Jahren gewachsenen Kur- und Wohnanlage von "Berolina" erhielt Dahme den Stempel einer neuen Zeit. Andere Bauten aus ähnlicher Baugesinnung, wenn auch weniger monumental, folgten. Damit liegt Dahme nicht am Ende der architektonischen Welt, sondern wieder einmal mitten im Trend moderner Komfortgesinnung. Fischer- und Bauerndorf von einst sind vergessen. Ob schön oder befremdend - Ausdruck einer Gegenwart, die den Erwartungen und Ansprüchen einer Gästeschicht gerecht wird.



Drei Bauten setzen Akzente im Dahmer Ortsbild. Unübersehbar bei Tag und Nacht der Leuchtturm Dahmeshöved, auch wenn er neuerdings nicht mehr besichtigt werden kann und automatischer Steuerung untersteht. Optisch ein Sinnbild maritimer Romantik - im Inneren moderner Elektronik unterworfen. Dahmes Gotteshaus stand über Jahrhunderte in Grube, dessen Kirche aus dem Jahr 1232 schon frühzeitig von der Reformation erfaßt worden war. Dafür führten die Bedürfnisse der Gäste nach sonntäglicher Andacht in den letzten fünfzig Jahren zu zwei Kirchenbauten: einer 1964 errichteten evangelischen Gerolds-Kapelle und einer 1968 (nach einem Vorläufer von 1928) erbauten katholischen Kreuzkirche, die neben den Urlaubsgästen auch 300 Katholiken in 21 umliegenden Ortschaften betreut. Was also prägt Dahmes Gesicht? Vielleicht am stärksten, daß hier - rein äußerlich - nichts zusammenpaßt. Daß die Kate der Vergangenheit neben der "alten Pracht" oder dem neuzeitlichen Zweckbau steht. Daß es zwar Straßen gibt, die Häuser gleicher Bauzeit und gleicher Baugesinnung nebeneinander zeigen - ausgewogen und - pardon - ein wenig langweilig. Aber gerade in der Ortsmitte, wohin Handel und Wandel drängten, geht es kunterbunt durcheinander, auch wenn sicher behördlicher Aufsichtseifer hier wie anderswo gebremst und gemildert hat. Stilfanatiker werden Dahme gewiß ankreiden, daß es weder Fischer- und Bauerndorf geblieben noch ein wirklich neuzeitliches Gemeinwesen geworden ist. Aber mir geht es so (und ich hoffe, Ihnen auch), daß ich den Eindruck habe: Dahme muß einfach so sein. Gewachsen aus Laune, Zufall und Zeitgeist und bestimmt weit weniger individuell und originell, wenn tatsächlich alles harmonisch aufeinander abgestimmt wäre. Ein Dorf mit einem sehr persönlichen Gesicht, das in seiner Gesamtheit eine Zeit widerspiegelt, die auch ihrerseits gegensätzlich und widersprüchlich war.

Zweierlei Dahme

Wenn wir so an einem beliebigen Sommertag durch Dahme schlendern und seine Häuser und Fassaden mustern, dann denken die wenigsten Gäste daran, daß Dahme nicht immer so ist. Im Sommer ein lebhafter, bevölkerter, gleichsam festlicher Ort. Im Winter (wozu auch erhebliche Teile von Frühling und Herbst gehören können) still, einsam, beinahe verlassen. Die Gäste kennen nur das Gesicht Dahmes mit modischem Make-up, mit Rouge, Lidschatten und Perücke, mit Schmuck und Parfüm.




Es ist das Gesicht der Saison in den wenigen Monaten, in denen die Dahmer selbst (was und wo immer sie in dem Urlaubsbetrieb auch zu tun haben) kaum zur Besinnung kommen. Sie kennen es jeweils nur aus der Perspektive ihrer Tätigkeit. Mancher Dahmer, der nicht zufällig gerade dort arbeitet, bekommt den Strand in seiner sommerlichen Lebhaftigkeit kaum zu Gesicht. Das Sommer-Dahme besitzt insgesamt 6972 belegte Betten, während seine Einwohner nur 1150 benötigen. Ganz anders im Winter! Es sind etwa die Monate zwischen Oktober und April, in denen die Saison - die hier oft ganz buchstabengetreu Seisohn ausgesprochen wird - schlafen gegangen ist, in denen mit Gästen eigentlich nur um Weihnachten oder die Jahreswende zu rechnen ist. Dann sind Dahmes Straßen menschenleer, haben die Lokale - vor allem die am Strand - oft geschlossen, ist die Promenade einsam und erlebt man manches Geschäft oder Etablissement hermetisch verriegelt. Der Strand gehört dann den Möwen, der Wind ebnet die Sandburgen ein, ein Sturm treibt die Brandung wohl bis zur Promenade. Es ist eine rauhe Zeit. Aber ich gestehe ehrlich ein, obwohl sich Dahme im Sommer nun einmal von seiner strahlendsten Seite zeigt, daß ich die Tage nicht missen möchte, an denen ich Wintertags im Schneesturm oder angesichts von glitzerndem Eis oder auch nur vom Wind gezaust und gebeutelt am Strand entlanglief! Sie sollten es einmal ausprobieren!


In dieser "toten Zeit" wird das im Sommer hart erworbene Geld ausgegeben oder in neue Investitionen gesteckt, wird die nächste Saison nicht nur in den Büros der Kurverwaltung geplant und vorbereitet, wird wohl auch einmal gefeiert oder eine Reise gemacht. Jedenfalls: jetzt sind die Dahmer unter sich - beinahe ebenso wie in jener Zeit vor mehr als hundert Jahren, als überhaupt noch kein Städter daran dachte, den weiten und (dazumal) sehr beschwerlichen Weg zur fernen und öden Ostseeküste anzutreten. So gibt es eben ein doppeltes Dahme - das des geruhsamen Winters und das im grellen Rampenlicht des geschäftigen Sommers: Das Dahme der Gäste und das Dahme der Dahmer.

30 Jahre Ostseeheilbad

Bei den Gästen freilich gibt es auch Unterschiede. Mancher kommt nach Dahme, um einfach  am Strand zu liegen, zu baden, faul zu sein und  sich zu erholen. Viele Gäste kommen jedoch auch, weil Dahme - seit dem Sommer 1962 —  auch Ostseeheilbad ist. Eines von insgesamt zehn Seeheilbädern längs der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Mit einem vielseitigen  Angebot an Kurmitteln, die auch jedem Kassenpatienten, der kurbedürftig ist, hier zur  Verfügung stehen. Wer es nicht nötig hat, weiß sicher nicht einmal, für welche Leiden die Ostsee im allgemeinen und Dahme im besonderen heilsam ist: Erschöpfung, vegetative Regulationsstörungen, Herz-, Kreislauf- und Gefäß krankheiten, Durchblutungsstörungen von  Herz und Gliedmaßen, rheumatische Erkrankungen, Abnutzungserscheinungen von Wirbel  und Gelenken, Leiden der Verdauungsorgane,  Allergien von Haut und Schleimhäuten und – nicht zu letzt — Luftröhren-, Nasen- und Bronchialerkrankungen: ein beachtlicher Katalog  von Leiden, die hier Linderung und Heilung  erfahren. Sicher gibt es in der Bundesrepublik ein erhebliches Angebot von Badeorten. Was Dahme so sympathisch macht, das ist die Tatsache, dass  der Kurgast, der nach ärztlicher Vorschrift und  unter ärztlicher Überwachung die Kurmittel  eifrig anwendet, hier nicht in einer von Leiden  geprägten Sanatoriumsatmosphäre lebt. Das frohe, unbeschwerte Leben der Urlauber wirkt  auch auf den Kurgast aktivierend, motivierend, anregend. Hier will und hier kann man  gesund werden.



Strandpartie mit dem Hotel Hamburger Heim


Dahmes Image - heute

Jedes Ostseebad hat seinen eigenen Stil. Es gibt elegant-mondäne und es gibt schlichtländliche Badeorte. Auch Dahme hat sein persönliches Image, sein besonderes Gepräge, das sich freilich im Lauf eines Jahrhunderts auch gewandelt hat. Mehrere Jahrzehnte hindurch, seit ein belesener Kurdirektor Paul Kellers Roman »Ferien vom Ich« kennengelernt hatte, verband sich mit Dahme dieser Begriff: »Dahme - das Bad der Ferien vom Ich!«



Sicher ein Slogan, der sich einprägte, so dass es den Dahmern wohl nicht leichtgefallen ist, ihn Anfang der siebziger Jahre an den Nagel zu hängen. Aber ich fand den Begriff seit jeher falsch. Denn Dahmes größter Vorzug besteht eigentlich nicht darin, vom Ich Ferien zu machen, es quasi zu verleugnen, sondern dieses Ich hier gerade pflegen und genießen zu können. Nicht an Termine und Bürostunden, nicht an Pflichten und Verantwortung denken zu müssen, sondern ganz Mensch zu sein. Urlaub ist — nicht nur in Dahme — Bekenntnis zum Ich. Dazu gehört heute für Dahme, dass es sich als Badeort für die ganze Familie präsentiert, in dem vor allem auch Kinder geschätzte (und sich wohlfühlende) Gäste sind, auch wenn man es nicht mit den pathetischen Worten des Prospekts aus dem Jahr 1936 ausdrückt: »Von jeher war der Strand ein Paradies für unsere Kleinen. Kaum sind sie hier, sind Stadt und Schule vergessen. Weit geöffnet steht das Kinderseelchen, um all die neuen Herrlichkeiten in sich aufzunehmen... Darum: bringt Eure Kinder mit, sie werden es Euch danken.« Aber auch die Eltern und — die Älteren können sich hier willkommen fühlen, wobei sich deutlich ein Rhythmus der Besuchs-Schwerpunkte im Ablauf des Sommers erkennen lässt: im Mai und Juni kommen ebenso die Eltern mit den
Kleinkindern, die noch nicht zur Schule gehen und daher nicht an die Schulferien gebunden sind, wie auch die Senioren und kinderlosen Ehepaare, die die Vorzüge der Vorsaison schätzen. Juli und August, die Monate der großen Ferien, führen Familien mit schulpflichtigen Kindern her vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und Berlin. Mit dem auslaufenden August und dem September, wenn die Tage etwas kürzer werden, reisen die »Kenner« nach Dahme - Urlauber ohne Kinder jeglichen Alters, die wissen, dass die Ostsee die sommerliche Wärme speichert und dass Service und Preise jetzt individueller sind. Freilich dauert es auch nicht mehr lange, bis die ersten Betriebe ihre Pforten schließen, weil eine verminderte Gästeschar nicht mehr »lohnt«. In den anderen Monaten (von der Ausweichmöglichkeit »zwischen den Jahren« abgesehen) wagen sich nur wenige Individualisten und Naturfreunde nach Dahme — leider viel zu wenige, denn das Dahme ohne Saison vermittelt dem Gast ein ganz neues Erlebnis und wiederum ein ungewöhnliches Image — nicht weniger reizvoll als das gewöhnliche, herkömmliche des Sommers.

Dahmer und Nicht-Dahmer

Längst ist Dahme nicht mehr das Dorf der 70 Fischer und einer Anzahl von Bauern. Der Aufstieg zum Ostseeheilbad hat dazu geführt, dass immer mehr Einwohner direkt oder indirekt von dem leben, was die Volkswirtschaft als Fremdenverkehr bezeichnet. Aber auch dazu, dass zu den Einwohnern, zu denen, die hier seit Generationen ansässig sind, immer mehr Wahl-Dahmer gekommen sind: solche, die sesshaft wurden und ihre Heimat in Hamburg, Berlin oder auch im Ausland aufgegeben haben. Und solche, die lediglich Saison-Dahmer sind, für die Dahme der Arbeits-, aber nicht der Wohnort ist, mögen sie nun selbst Unternehmer sein oder als Angestellte kürzer oder länger hier tätig sein. Aus dem überschaubaren Dorf, in dem jeder jeden kannte, ist eine vielköpfige Gemeinde geworden, in der nur die Alteingesessenen und ihr Anhang noch genau wissen, wie dieser oder jener zu dem wurde, was er heute ist. Als im Jahre 1934 der Hauptlehrer Fritz Reher einen Jahresüberblick gab, verzeichnete er auch die vier Namen, die damals in Dahme am häufigsten vorkamen. Jeder 13. Dahmer hieß damals Höppner, aber auch die Namen Prüß, Puck und Fick kamen mit mindestens fünf Familien vor. Auch heute noch sind die Höppners davon am stärksten vertreten, aber die Landschoofs haben gegenüber den Prüß, Puck und Fick an Boden gewonnen, wie auch der Name Reshöft häufig auftaucht. Vergessen wir nicht, dass noch vor dem zweiten Weltkrieg aus Dahmes kinderreichen Familien nicht wenige ihre Existenz draußen suchten und begründeten, während das Ostseeheilbad von heute jedem die Chance gibt, auch daheim etwas zu werden und auf die Füße zu stellen.

In Dahme leben

Ja, es lasst sich leben in Dahme. Darin sind sich die Urlaubsgäste und die Einwohner einig. Zwischen der Ostsee und den Wäldern des Guttauer Geheges mit ihren 80 Hektar Nadel-und Laubbäumen liegt ein Stück Ostholstein, das den Gästen eine Ferienoase, den Dahmern Heimat ist. Zwar ist die Zeit nicht spurlos an der einstigen Idylle Dahme — einer Idylle, die auch ihre Schattenseiten hatte - vorübergegangen. Aber das Dahme von heute mit seinen behaglichen Straßen, dem grünen Deich, den Feldern im Umland, mit seinen Bäumen und Gärten und nicht zuletzt mit dem ausgedehnten Strandgebiet rechtfertigt die Annahme, dass hier — soweit es moderner Lebenszuschnitt überhaupt zulässt — die Welt noch in Ordnung ist.



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